Umbrüche im Leben: Vom Festhalten wollen und Loslassen müssen

Wenn das Leben irgendwann so richtig rund läuft, und alles passt und man anfängt, sich in einen Ruhesessel zu setzen und alles schön geplant hat, auch den Dienst für Gott für den Rest seines Lebens – da kann es sein, dass plötzlich eines geschieht: es kommt der größte Umbruch des eigenen Lebens.

Dies habe ich erlebt. Bis zum 10. Dezember des vergangenen Jahres ging es mir gut. Ich war im Leben angekommen, viele alte Wunden sind verheilt, meine Arbeit machte mir nicht immer Spaß, aber es war mein Leben, vom Schreiben leben zu können und damit meine Brötchen zu verdienen. Ich hatte im November eine mich nicht gerade gut beeinflussende Beziehung beendet, und machte mich auf, diesen Blog hier mit Texten zu füllen über das Leben mit Gott und mein Plan war es, endlich meine eigene Geschichte ganz aufzuschreiben und darüber in der einen oder anderen Gemeinde, die mich vielleicht einlädt, zu erzählen. Da ich genug Geld verdiente, würde ich damit auch kein Geld verdienen müssen und damit all das machen können, was ich dachte, es wäre Gottes Plan für mein Leben. Ich war angekommen und es schien endlich ruhiger zu werden in mir und meinem bis dahin mitunter sehr stürmischen Leben.

Dann kam der 11. Dezember 2012 und alles war anders. Ein Umbruch begann, ausgelöst durch einen von Gott geschenkten Traum, der bis heute andauert. Ich wollte Festhalten und lernte schmerzhaft Loszulassen, auch den Plan, den ich bis dahin für Gottes Plan für mein Leben gehalten hatte. Im Februar, kurz nachdem ich in ein neues Notizbuch „Make my life a prayer to you“ geschrieben hatte, fing es dann an: mir flogen die Knüppel reihenweise um die Ohren, so sehr, dass ich sie nicht mehr zählen konnte und diese Phase hält immer noch an. Ich musste lernen, loszulassen, was ich festhalten wollte, Menschen, Dinge und vor allem eines: Sicherheit.

Es wurde fast alles anders in diesen Monaten. Kaum mehr etwas ist noch so, wie es an jedem 10. Dezember des vergangenen Jahres war. Zwischenzeitlich habe ich mit Gott gehadert und gestritten und Ihn dann um Vergebung gebeten, nachdem ich gemerkt habe, dass all dies einem Plan folgt, den ich inzwischen immerhin zum Teil verstehe. Doch ich weiß auch, dass ich nur Stückwerk sehe und wohl auch nur Stückwerk sehen werde, solange ich lebe.

Mir hat das Loslassen viel Schmerzen bereitet, ich musste Menschen loslassen, die mir viel bedeutet haben bzw. immer noch viel bedeuten. Ich musste den Gedanken an Sicherheit loslassen, aber Gott gab mir zugleich die Zusage, dass Er mich, was auch immer passieren würde, versorgen würde. Ich lernte, das Festhalten wollen von Altem und Gewohnten und auch Liebgewonnenen, wenn es Zeit für etwas Neues und Veränderungen und neue Menschen ist, ist der schlechteste Weg, um Gott nachzufolgen.

Heute plane ich nur noch da, wo Gott Sein Ja dazu gegeben hatte. Bei den Dingen, bei denen ich warten soll, warte ich, selbst wenn ich weiß, dass es vielleicht noch Jahre dauern wird, bis dieser Weg beschritten werden kann oder es eine Antwort geben wird. Den Rest der Zeit verbringe ich im Jetzt, stehe morgens auf, beginne den Tag mit einem kurzen Lied („Dies ist der Tag, den der Herr gemacht!“) und lebe in der Gegenwart. Ich weiß nicht, was ich noch Loslassen muss, aber ich möchte nicht mehr Festhalten, was ich loslassen soll – aber ich möchte Festhalten, was ich festhalten darf, selbst wenn ich es heute noch nicht verstehe und das Morgen noch im Ungewissen liegt.

2 Kommentare

  1. Marita Stehmeier

    1. Mai 2014 um 18:25

    Ich bin auch gerade in so einem Prozess.Loslassen wo man festhalten möchte.Ein unglaublicher Zustand.Auch ich habe eine schwierige Beziehung beendet.Klammern an Menschen wo man spührt es bringt nichts mehr.Stillstand!!Antworten suchen!!Grübeln!Ein durchtränktes Leben voller Fehler und Trugschlüsse.Voller Enttäuschungen!Warum!!!!

  2. Ich bin auch gerade in so einem Prozess, es ist genau wie oben beschrieben Stillstand!!Antworten suchen!!Grübeln ein wirklich unglaublicher Zustand, fast nicht zum Aushalten, und er hält schon seit einem Jahr an, es hört nicht auf der druck lässt nicht los. Es füllt sich an wie unter einer Glocke eingesperrt. Kann nicht flüchten bin ausgeliefert, gehe den Menschen aus dem Weg bin mit Gott am hadern und gleichzeitig am kennenlernen. Ja Warum das alles, Why das Leben für was Rätsel

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