Es gibt immer noch Menschen, die sagen, es sei alles nur Panikmache und doch gar nicht nötig, diese ganzen Sicherheitsmaßnahmen und Absagen und Vorkehrungen. Doch wer nach Italien blickt und die Berichte aus den Krankenhäusern liest, der sieht wie schlimm das alles ist. Menschen, die sterben, weil es nicht genug Beatmungsgeräte gibt. Ärzte, die Entscheidungen treffen müssen, wem sie helfen sollen – und wem nicht. Krankenschwestern, die weinen, weil sie nicht alle retten können.

Ich gehöre zur Risikogruppe derer, die es ganz derbe erwischen könnte. Ich habe eine Atemwegserkrankung, die in den letzten Jahren sowieso schon schlimmer geworden ist. Dazu kommt ein seit einer Operation vor 14 Jahren nicht mehr ganz intaktes Immunsystem. Ich gehöre zu denen, die sterben könnten, wenn das Virus sie erwischt.

Mir hat das Angst gemacht. Große Angst. Unaussprechliche Angst. Über Tage hinweg fing sich an, Panik in mir breitzumachen. Bis ein Abend kam und ich endlich weinen konnte. Ich konnte die Angst in mir in Tränen fassen und ich weinte und weinte.

Seitdem kann ich wieder klarere Gedanken fassen. Ich habe immer noch Angst. Doch ich habe noch etwas Anderes in meinem Herzen: Dass Vertrauen darauf, dass Gott mich liebt und Sein Plan für mich schon passt, wie er auch sein mag. Vielleicht wird mich das Virus trotz aller Selbstschutz-Maßnahmen erwischen und ich sterbe im schlimmsten Fall daran. Dann kann ich in der Gewissheit gehen, dass Gott mich nach Hause holt. Sollte das nicht der Fall sein, dann weiß ich, und diese Gewissheit habe ich in meinem Herzen wie niemals zuvor, dass Gott noch eine Aufgabe hat für mich auf dieser Welt.

Ich habe heute viel nachgedacht. Über das: Was wäre, wenn… Was wäre, wenn ich im Krankenhaus liegen würde und es nicht mehr genug Beatmungsgeräte gäbe? Was wäre, wenn die Ärzte entscheiden müssten, wen sie am Leben erhalten können – und wen nicht? Würde ich wirklich wollen, dass ein Mensch eine solch schwere Entscheidung treffen muss, wenn es darum ginge, ob ich oder jemand Anderes am Leben bleibt?

Vielleicht mag das ja heroisch klingen für jene, die mich nicht gut kennen. Doch wenn es soweit wäre, dass jemand Anderes stirbt, während ich am Leben bleiben könnte… Könnte ich dann mit gutem Gewissen das Beatmungsgerät annehmen? Nein, das könnte ich nicht.

Ich habe Gott, auf den ich auch in dieser Zeit, gerade besonders in den Zeiten von Corona, vertrauen darf, vertrauen kann. Ich habe damit mehr, als viele Menschen haben. Ich habe die Zuversicht, dass aus meinem irdischen Leben ein ewiges Leben wird und ich eines Tages das Goldene Jerusalem sehen werde.

Mein Leben gehört Gott. Das gilt für das Diesseits und auch für das Jenseits. Und wenn denn meine Stunde gekommen ist, dann ist sie gekommen. Ich möchte nicht, dass jemand Anderes, der Gott vielleicht noch gar nicht gefunden hat, stirbt, während ich, die ich Gott in meinem Herzen habe und die ich mit Zuversicht auf ein Leben nach dem Tod blicken kann, weiterleben könnte.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Dietrich Bonhoeffer