Collegeabschluss im Christ sein, gibt es so was tatsächlich? Oder wie sieht die Wirklichkeit aus? Selbst wenn wir schon Jahrzehnte Christ sind und Christsein leben, irgendwas gibt es immer, dass wir noch nicht wissen, dass wir noch nicht verstanden haben, dass wir noch lernen können. Denn Gott, da bin ich mir sicher, hat uns Lernende geschaffen. Als Lernende nicht nur in jungen Glaubensjahren, sondern in jeder Zeit und Phase unseres Lebens. Wir sind Lernende bis zu unserem letzten Atemzug, wir wissen vielleicht Vieles, aber längst nicht alles. Und dabei ist es egal, welche Geistesgaben Gott uns mit auf unseren Glaubens- und Lebensweg gegeben hat, es gibt immer noch etwas zu lernen. Von Gott, der uns durch den Heiligen Geist lehrt, von anderen Menschen, die andere Gaben haben wie wir, und die uns als andere Glieder des christlichen Leibes geschenkt wurden, in dem wir leben.
Laufen lernen wir durch Stolpern und Hinfallen
Als junge Gläubige, ich kam auf der Schwelle zu meinem 18. Geburtstag zum Glauben, und stammte aus einer völlig anderen Welt, musste ich mit viel Stolpern und Hinfallen langsam das Laufen lernen. Gott hat mir damals schon früh meine Berufung gegeben – doch wie Mose bin ich dann losgestürmt und habe alles falsch gemacht. Dann hat mich Gott, wie Mose, fürs Erste aus der Bahn genommen und wenn ich Gott auch immer wieder dienen durfte im Laufe der Jahrzehnte, von meiner eigentlichen Berufung war ich immer noch entfernt.
Niemand hat den vollen Überblick
In den letzten Jahren habe ich dann begriffen, dass kein gläubiger Mensch, egal wie lange sie oder er schon gläubig ist, den vollen Überblick hat. Vielleicht sind wir in manchem weiter und verstehen Vieles mehr, wenn wir schon Jahrzehnte mit Jesus am Start sind. Dafür haben wir trotzdem, jede und jeder von uns, noch Bereiche, in denen Gott uns lehren muss. Es gibt ihn eben nicht, den Collegeabschluss im Glauben. Keine und keiner von uns kann sagen, man wüsste schon alles und wäre „fertiger Christ“.
Sicher ist hingegen, je weiter wir sind, umso mehr mutet Gott uns zu und umso tiefer geht es mit uns. Er bleibt, egal wie lange wir schon gläubige Christen sind, immer unser Töpfer, und wir Sein Ton.
„Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.“
1. Kor. 13,12
Manchmal Kindergarten, manchmal Collegestudentin
Mir hat das sehr geholfen, als Gott mir gezeigt hat, dass ich nicht alles wissen und alles verstehen muss. Und dass ich fallen darf, hinfallen darf auf meinem Glaubensweg, und Er mich trotzdem immer noch liebt und mir aufhilft, wenn ich es, wieder mal, total verbockt habe.
Wo ich selbst stehe? Ich weiß es nicht. Manchmal denke ich, ein wenig Kindergarten, dann wieder im zweiten Collegejahr. Und ich finde es einfach nur tröstlich (was für ein tolles Wort in dem Zusammenhang!), dass Gott nicht erwartet, dass ich alles kann und weiß und perfekt bin. Sondern dass Er mich bedingungslos liebt, meine Macken kennt und meine Defizite. Und gerade in Letzteres hineinsprechen kann, mit Seinem Wort, in Begegnungen mit anderen (manchmal auch den weniger schönen, aber vor allem auch mit den guten, segnenden, heilende Begegnungen), und in dem, was Er uns durch den Heiligen Geist zeigt.
Lasst uns Lernende sein. Und Träumende!
Lasst uns träumen von einer Welt, in der wir Christinnen und Christen Salz und Licht sind, in der wir trotz all unserer „Lernrückstände“, Macken und persönlichen Defizite etwas von dem weitergeben können, dass Gott in uns hineingelegt hat. Und wenn wir nicht mehr würzen können und wenn es dunkel ist in uns, dann müssen wir uns nicht scheuen, unseren Herrn Jesus um Hilfe zu bitten. Dass er uns wieder zu Salz macht, das relevant ist und jede Suppe zu einem besseren Gericht macht. Dass er uns wieder zu Licht macht, dass alles hell scheinen lässt in der Dunkelheit unserer Welt.
Glaubenshelden müssen eine Menge lernen
Wir sind geboren für diese Zeit. Und wenn wir denken, wir können doch nichts, oder haben nichts zu geben, oder hätten sowieso immer nur versagt: Hey, wir sind da doch in bester Gesellschaft der großen Glaubenshelden der Bibel. Die haben eine Menge versiebt, David, Mose, Elia, der sich plötzlich aus dem Staub machte, Jona, der lieber im Bauch eines Wals landete, als seinen Job für Gott zu machen, und und und. Glaubenshelden wurden sie, weil sie gelernt haben, weil Gott zu ihnen reden konnte, zu jedem von ihnen auf seine Weise.
Wir lernen voneinander – verbunden in Gottes großer Liebe
Wir sind Lernende Gottes, bis zu unserem letzten Atemzug. Und das ist gut so, weil es uns zusammenbringt als Gemeinschaft der Christen. So lernen die Generationen untereinander, die Pastorinnen und Pastoren lehren die Gemeindemitglieder und lernen zugleich von ihnen und wir können einander helfen und tragen, wo wir das Leben – wieder mal – so richtig in die Tonne hauen. Wie der Verlorene Sohn, der auf die harte Tour lernen musste, was er allesum ihm zu dienen als einfacher Knecht, und sich dann in seinen liebenden Armen wiederfand.
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