Ich kann mich noch gut an den November 2012 erinnern. Mir ging es gut, nachdem ich eine von Gott sicher nicht gewollte Beziehung beendet hatte. Die Zeit mit diesem Menschen war nicht gesegnet gewesen, das habe ich an all dem gespürt, was in den Jahren des Zusammenseins passiert war. Kaum war ich wieder alleine, ging es mir gut, und auch finanziell kam ich langsam wieder auf einen grünen Zweig. Meine Arbeit lief prima, und ich fühlte mich wohl mit meinem Leben. Und dann betete ich: „Herr, was immer Du willst, das ich tun soll, ich werde es tun.“

Dieses Gebet veränderte mein Leben. Kurze Zeit hatte später hatte ich einen Traum, der bis heute mein Leben begleitet. Der mich gewarnt hat, aber auch suchend gemacht hat nach jemandem, den Gott mir in diesem Traum deutlich gezeigt hat. Nach diesem Traum war alles anders. Ich stellte alles in Frage, mich selbst am meisten, das Leben, das ich führte.

Wenn die eigene Welt zerbricht

Und dann fing meine Welt nach und nach an, zusammen zu brechen. Auf der einen Seite begann ich, offener zu werden, und meine große Schüchternheit nicht mehr hinter einer Maske aus (angeblichem) Selbstbewusstsein zu verstecken. Im Laufe der nun fast vier Jahre veränderte ich mich in vielem, so sehr, wie ich es nie gedacht hätte.

Aber auch andere Dinge änderten sich. Mein berufliches Leben bekam starke Risse. Die scheinbare finanzielle Sicherheit war nicht mehr gegeben. Aufträge blieben aus. Aber Gott erinnerte mich immer wieder, in jeder Hinsicht, an zwei bestimmte Bibelverse:

Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ Spr. 3,5-6

„Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst“ 5. Mose 30,19

In diesen Jahren erlebte ich einen Umbruch nach dem anderen. Nichts blieb mehr gleich, außer dass ich in dieser Stadt, in der ich seit mehreren Jahren leben, endlich die Heimat fand, die ich so lange gesucht hatte. Sonst blieb kein Stein auf dem anderen. Gott machte Dinge möglich, ließ mich Menschen begegnen, und beendete viele der gemeinsamen Wege auch wieder, indem der eine Tür nach der anderen schloss. Meinen 50. Geburtstag, den ich vor einigen Wochen groß feiern wollte, verbrachte ich am Ende allein.

Gott will keine Unversöhnlichkeit, sondern Liebe

Gott hat in den letzten Jahren viele meiner Ecken und Kanten abgeschliffen. Mir gezeigt, wo Unversöhnlichkeit mein Leben schwer macht, selbst da, wo ich die bin, die im Recht ist. Es geht nicht mehr darum, im Recht zu sein, die Verletzte zu sein. Sondern mit Gott den Weg zu gehen, und auf Jesus zu schauen. Wie würde Er handeln? Sicher nicht unversöhnlich und störrisch an der eigenen Verletztheit, und der daraus resultierenden Wut festhalten.

Ich weiß nicht, ob dieser Text irgendjemandem hilft. Aber ich musste all das niederschreiben. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ein Teil meiner eigenen Welt zusammengebrochen ist, und ich die Scherben zusammenlesen muss. Nicht, weil ich Mist gebaut habe, sondern jemand Anderes, aber das genau in mein Leben eingreift, und mich aufs Empfindlichste trifft. Genau da, wo ich vielleicht am meisten angreifbar bin.

Gott vertrauen bis zum letzten Atemzug

Ich lerne, wieder einmal, Vertrauen. Gott hat mir versprochen, mich zu versorgen, wenn ich das meine tun, und das Gebet ernst meinen würde. Das Gebet, dass ich mit 19 Jahren sprach, und im November vor vier Jahren wiederholt habe. Vielleicht ist das für Menschen, die den Weg mit Gott nicht gehen, unverständlich. Wie man trotz so viel Wüstenwegen und Zusammenbrüchen der eigenen Welt noch Gott vertrauen kann. Doch ich weiß, dass Er mich vor über 21 Jahren aus meiner schweren Sucht, und damit vor dem sicheren Tod gerettet hat. Und ich werde Gott vertrauen bis zu meinem letzten Atemzug. Das ist meine große Hoffnung, und mein Gebet zugleich.