Einen Menschen zu verlieren, egal auf welche Weise, zerstört ein stückweit unser eigenes Leben. Ich habe schon früh in meinem Leben Menschen verloren. Der Tod kam auf die eine oder andere Weise und trat jedes Mal wie ein schlimmer Riss in mein Leben. Anfang Oktober jährt sich der Gedenktag für meinen besten Freund. Eine Zeit, in der ich mir immer ganz besonders alleine – und auch ganz besonders verletzlich fühle.
Eine Zeit, in der ich Menschen um mich bräuchte, die mich halten und wissen, wie das damals war mit seinem Tod. Doch diese Menschen sind nicht mehr da, selbst tot oder wie meine Familie #ausGründen nicht mehr in meinem Leben. Leere war die ganzen Jahre immer da an diesem Tag. Eine entsetzliche Leere, die ich jahrelang nur durch Alkohol ertrug. Als ich dann aufhörte zu trinken, zerbrach mich diese Leere fast. Einen Menschen zu verlieren, egal auf welche Weise, zerstört ein stückweit unser eigenes Leben.
Ich habe das all die vielen Jahre immer mit mir herumgetragen. Der Schmerz konnte nicht enden, obwohl ich wusste, dass ich endlich abschließen muss mit dem Ganzen, sonst zerbricht es mich eines Tages ganz.
Abschließen mit dem Tod meines besten Freundes und den schlimmen Umständen seines Todes. Abschließen mit dem Tod meiner besten Freundin. Und auch endlich abschließen mit der Trennung von meiner Familie, die nie mehr Teil meines Lebens sein wird, so sehr ich mir das auch lange Zeit immer wieder gewünscht habe.
Heute ist mir klar geworden, nach dem Lesen einer mich sehr berührenden Predigt, dass ich den Faden immer versucht habe, von der falschen Seite aufzunehmen. Ich bin mit dem Herzen immer wieder in die Vergangenheit zurückgekehrt und in den damit verbundenen unerträglichen Schmerz. Ich habe das Fundament meines Lebens zu einem großen Teil auf dem ausgerichtet, was nicht mehr da ist und immer danach gesucht, dass es Menschen geben wird, die diese Lücken und diese Leere ausfüllen können.
Aber kein Mensch konnte das sein. Kein Mensch kann meine verlorene Familie, meinen verlorenen besten Freund und meine verlorene beste Freundin ersetzen. Kein Mensch ist in der Lage diese Lücke zu füllen, weil man Menschen nicht ersetzen kann. Ihre Plätze in meinem Leben werden weiter leer bleiben. Es sind verwaiste Plätze, die mit Schmerz und Trauer verbunden sind und es auch immer sein werden.
Doch ich kann aufhören, diesen Faden immer wieder von der falschen Seite aufzunehmen. Stattdessen kann ich das Knäuel, das ich noch an Leben habe, aufnehmen. Nicht mit einem oder mehreren Menschen an der Seite, sondern allein mit Gott als Fundament meines Lebens. Und eines Tages wird es vielleicht einen Menschen geben, der an jenem Oktobertag zwar nicht in die Vergangenheit mit mir sehen kann, der aber trotzdem den Schmerz und die Trauer versteht, die mich so viele viele Jahre zerfressen haben. Die Mauern, die ich all die vielen Jahre um mein Herz getragen habe, kann ich nun einreißen. Und mich darauf einlassen, wen Gott in mein Leben führen oder in meinem Leben lassen wird. Nicht zum Füllen der Leere oder als Lückenbüßer, sondern als Menschen, die ich um ihrer selbst lieben kann und vor denen ich meinen alten Schmerz nicht verstecken muss.
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