Herr, an diesem Abend lege ich Dir alles hin. Alles, was mich belastet. Alles, was mir Sorgen macht, meine ganzen Probleme, die mir über den Kopf zu wachsen drohen. Alles, was sich gerade in meinem Herzen bewegt und all meine Gefühle, meine Ängste, mein Gefühl der Überforderung und mein Leben.
Ohne Dich, oh Gott, kann ich nichts tun, ohne Dich will ich nichts tun. Du bist mein Leben, oh Herr, Du bist alles, was ich habe, alles was ich will. Nur in Dir, Herr, ist das Leben, nur in Dir, Herr, ist das Glück, ist die Freiheit, finde ich Frieden für mein unruhiges Herz.
Ich habe so viele Jahre immer wieder ohne Dich gelebt, habe Dich verleugnet, habe Dich verlassen, habe Dich aus meinem Leben gedrängt. Doch Du, oh Herr, mein Gott, hast mich nie verleugnet, hast mich nie verlassen, hast mich nie aus Deinem Leben gedrängt. Ich war die verlorene Tochter, ich wollte immer mein eigenes Ding durchziehen, meine eigenen Sachen machen, meiner Richtung folgen und mit meinem Kopf durch die Wand gehen. Vieles, was mir heute Probleme bereitet, ist eine Folge der Wege, die ich ohne Dich gegangen bin, das weiß ich. Vergib mir, dass ich so selbstsüchtig war und nicht verstanden habe, dass Du der liebende Vater bist, der viel besser weiß, was richtig und gut für mich ist, als ich es weiß. Ich hatte nie einen Vater, der mich geliebt hat, wie hätte ich wissen sollen, was Vaterliebe wirklich bedeutet?
Heute weiß ich, dass Du es bist, mein Gott, mein Herr, der mich liebt. Und ich weiß, dass ich Dir alles bringen kann im Gebet, was mir Sorgen macht, was mich bedrängt, womit ich nicht klarkomme, wovor ich Angst habe. Heute lege ich Dir alles hin, alles – und ich weiß, dass ich keine großen Worte machen muss, sondern dass Du es bist, der in mein Herz sieht. Du siehst all die Wunden, all die Verletzungen, all den tiefen Schmerz, den andere Menschen verursacht haben, den ich zum Teil selbst verursacht habe. Ein Leben ohne Dich ist kein Leben, das habe ich längst erkannt. Ich bin froh, dass Du da bist. Dass Du keine bloße Geschichte, keine bloße Einbildung bist. Du bist alles, was ich brauche, alles was ich brauche, ist in Dir.
Und nur um eines bitte ich Dich: um Liebe. Für andere, für mich selbst. Liebe für die, die mir sehr wehgetan haben. Und Liebe für die, die mir am Herzen liegen. Und auch Liebe für die Menschen, die mir begegnen werden, in den kommenden Tagen, in den kommenden Monaten, in den kommenden Jahren. Ich weiß nicht, was Lieben ist, und ich fühle mich davon immer noch überfordert. Jedes Mal, wenn ich Liebe für einen Menschen fühle, ertappe ich mich dabei, wie ich innerlich schon die Beine in die Hand nehme und nur noch auf den Startschuss zum Weglaufen warte. Aber ich will nicht mehr weglaufen. Nicht mehr vor anderen Menschen, nicht mehr vor der Liebe und vor allem auch nicht mehr vor Dir. Sei mit mir, Herr, an diesem Tag, in dieser Nacht, für den Rest meines Lebens, darum bitte ich Dich von ganzem Herzen. Lass mich nicht alleine und lass nicht zu, dass ich wegrenne vor Dir, vor den Menschen, denen ich begegnen soll, die ich lieben darf, in deren Leben ich gehöre. Herr ich lege Dir mein Herz hin, und ich bitte Dich, lass es nicht mehr weglaufen. Amen.
1. August 2020 um 18:43 Uhr
Wir leben in einer schwierigen Zeit, viele denken, dass sie alles selber stemmen können, was in der Welt schief läuft und gerade gerückt gehört…Auch als gläubiger Mensch wird man von solchen Meinungen berührt…Der Mensch hat schon vieles versucht, die Anforderungen , die das Leben stellt, zu bewältigen, aber der Mensch hat nur eine kurze Sicht auf die Welt, und vieles das er getan hat, ist letztendlich schief gegangen…Nur, wenn der Mensch einsieht, dass es den Guten Gott gibt, der den besseren Überblick hat, kann er demütig vorangehen in seinem Denken und Handeln…Ja, es ist manchmal schwer auszuhalten, es dauert manchmal sehr lange, bis sichtbare Hilfe von Gott kommt, aber ER kennt den richtigen Zeitplan…das heißt nicht, dass wir untätig bleiben sollen, aber unser Denken und Handeln sollte stets von Nächstenliebe geleitet sein, den Menschen gegenüber und auch den Tieren gegenüber und nicht zuletzt der Natur gegenüber….