Ja, ich weiß. Das Wort Influencer hat mittlerweile einen sehr anrüchigen Duft. Da denken die meisten direkt an die mit Werbung zugetackerten Profile so genannter Influencer. Oder deren Fotos, die so unauthentisch sind, dass man als authentisch lebender Mensch am liebsten (ich sag lieber nicht, was möchte). Doch Influencer sein, das geht auch ganz anders. Was christliche Influencer bewirken können, habe ich in meinem eigenen Leben erfahren dürfen. Nicht nur als Bloggerin, die selbst andere Menschen berührt hat. Sondern auch durch ChristInnen, die digital unterwegs sind, tief berührt zu werden.

Als mir die Idee zu diesem Artikel kam, hatte ich ein Konzept erstellt und schon den ersten Part geschrieben. Heute Morgen bin ich dann aufgestanden, war am Kaffee aufsetzen und plötzlich wurde mir klar: Der Text geht in eine ganz andere Richtung. Weniger allgemein gehalten, sondern persönlich. Weniger christliche Influencer als ursprünglich geplant, dafür die drei, die mein Herz berührt haben und einiges an Gedankengängen und an Inspiration angeschoben haben. Doch dazu später mehr.

Christliche Influencer gehen in Jesu Fußspuren

Ein guter christlicher Influencer inspiriert andere Menschen. Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. In unserer christlichen Landschaft gibt es genug Leute, die anderen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Das hat für mich persönlich überhaupt nichts mit Inspirieren zu tun. Jemand positiv zu beeinflussen, jemanden zu inspirieren, bedeutet für mich, diesen Menschen weiterzubringen, in seinem Glauben, in seinen Gaben, ihm Hoffnung zu schenken und Mut zu machen.

Letztens habe ich in irgendeinem Artikel, den ich hier bewusst nicht verlinken möchte, gelesen, dass nur Jesus allein unser Influencer sein sollte. Häh? Ähm, wie bitte? Warum hat Jesus dann den Jüngern als seine letzten Worte den Missionsbefehl mit auf ihren Lebensweg gegeben? Das Influencer-Sein hat uns Gott damit schon zu Beginn des Ur-Christentums aufs Herz gelegt. Jesus ist nicht mein Influencer, Jesus ist mein Retter! Das ist viel mehr, als jeder andere Mensch je für mich getan hätte. Christliche Influencer sind für mich Menschen, die von Gottes bedingungsloser Liebe und von Gottes Botschaft der Rettung getragen und getrieben werden. Die das weiter geben, was sie selbst erlebt haben und erleben. Die andere segnen mit ihren Worten und dem, wie sie Christ sein in ihrem Leben umsetzen.

Das Zauberwort ist: Authentisch sein!

Wir alle kennen wahrscheinlich zur Genüge die alles andere als authentischen Profile irgendwelcher Influencer. Da wird am Licht und an der Kameraeinstellung gefeilt, da werden Fotos nachbearbeitet, Falten rausgestrichen und und und. Und es wird werbewirksam an den Texten gefeilt. Das mag man mögen. Ich mag es nicht. Wir alle kennen auch die nicht authentischen Christen, die mit dem Heiligenschein geboren zu sein scheinen. Die nach außen Jesus auf den Lippen tragen, aber die Herzen anderer nicht positiv berühren oder gar das Gegenteil bewirken.

Für mich ist ein wirklicher christlicher Influencer ein Mensch, der authentisch ist, der echt ist. Der ungeschminkt in seinen Aussagen ist, auch auf die Gefahr hin, Gegenwind zu bekommen von Leuten, die anderer Meinung sind oder es wieder mal besser wissen oder die völlig daneben über die Maus rutschen. (Vielleicht versteht nicht jede/r die letzte Anmerkung, aber das mit dem über die Maus rutschen ist gerne die Aussage von Leuten, die sich verbal total daneben benommen haben, aber nicht den Arsch in der Hose haben, sich dafür zu entschuldigen).

Ein authentisch lebender Christ ist für mich gleichzeitig immer ein Influencer. Da ist es egal, ob er/sie in den Sozialen Medien unterwegs ist oder nur in seinem Umfeld authentisch und echt lebt. Gott wollte noch nie irgendwelche Überflieger, die vor anderen Menschen und vor Ihm Masken tragen. Nicht umsonst sind die GlaubensheldInnen in der Bibel allesamt allzu menschlich unterwegs. Gott will Menschen, keine Maschinen. Gott will uns ganz, mit allem, was wir sind und fühlen. Deshalb ist ein christlicher Influencer für mich jemand, der authentisch ist und nicht nur das Tolle, seine Erfolge und die Freude mit einem teilt, sondern auch den Schmerz, die Zweifel, das Versagen.

Mich persönlich haben in den letzten Wochen drei Menschen, die für mich wirkliche christliche Influencer sind, sehr berührt. Jede von den dreien ist ganz unterschiedlich und hat mich auf verschiedenen Wegen inspiriert.

Josephine auf Instagram

Über Josephine Teske bin ich gestolpert, als ich den Livestream zu einer Veranstaltung zu #digitaleKirche bei der Hamburger Kirchennacht 2019 angeschaut habe. Von solchen Veranstaltungen erwarte ich zugegebenermaßen nicht allzu viel. Ein bißchen Gelaber hier, ein bißchen Gelaber da. Vielleicht bin ich einfach schon zu lange in christlichen Kreisen unterwegs, um so was leider oft sehr Unechtem noch was abgewinnen zu können.

Aber Josephine hat mich voll geflasht, weil sie so viele starke Dinge gesagt hat. Das war einfach echt, authentisch, Mensch pur. Ich konnte das echt nicht glauben, dass diese Frau ev. Pfarrerin ist. (Wer meine sehr traurigen Erlebnisse mit der ev. Kirche kennt, den wundert das nicht…).

Ihr Instagram-Profil ist das mit Abstand berührendste, was mir in Sachen christliche Influencer in den Sozialen Medien je über den Weg gelaufen ist: https://www.instagram.com/seligkeitsdinge_/

Carola auf Twitter

Über Carola Scherf bin ich auf Twitter gestolpert, weil irgendjemand aus meiner TL eines ihrer Postings retweetet hat. Carola twittert jeden Morgen einen Segen für ihre Follower. Wenn ihr auf Twitter seid, dann MÜSST ihr unbedingt @PastoraCara folgen. Der Segen haut jedes Mal rein. Und: Carola, die wie Josephine ev. Pfarrerin ist, schreibt auch ungeschminkt über das, was gerade passiert.

Tabea und ihr Predigt-Podcast

Auf Theotabea, so ihr Nick, bin ich auch auf Twitter gestoßen. Irgendwann hat Tabea ein Posting über ihren Predigt-Podcast rausgehauen. Ihre Senfkorn-Predigt hat mich so sehr inspiriert, dass sie letztlich den letzten Anstoß dazu gegeben hat, endlich das Projekt anzugehen, das mir schon seit vielen Jahren auf dem Herzen liegt, ein Buch über mein Leben zu schreiben. Tabeas Predigten sind so bildhaft, dass selbst Menschen wie ich, die sich sonst bei Podcasts und Audiostreams nicht so gut konzentrieren können, mitgenommen werden. Tabea ist übrigens Vikarin in der ev. Kirche. Den Predigt-Podcast von Tabea findet ihr hier: https://theotabea.podigee.io/

Auch Du kannst ein christlicher Influencer sein!

Gott hat uns allen Gaben geschenkt. Bei mir ist es das Schreiben. Das nutze ich schon seit vielen Jahren, um Zeugnis zu geben über das, was Gott in meinem Leben getan hat. Er hat tief greifende Veränderungen geschaffen und innere Heilung. Mit meinem Blog und anderen Veröffentlichungen habe ich mittlerweile zehntausende von LeserInnen erreicht. Wenn das NICHT Dein Ding ist, das Schreiben, dann ist das gar nicht wichtig. Du musst nicht den gleichen Weg gehen. Influencer kannst Du überall sein, mit Deinen Gaben. Du kannst z. B. Gastfreundschaft üben und damit Gottes Liebe zeigen. Auch das bedeutet es, ein Influencer für Gott zu sein. Du kannst Obdachlosen etwas zu Essen und zu Trinken bringen und ihnen damit Gottes Liebe zeigen. Auch das bedeutet es, ein Influencer für Gott zu sein.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, ein christlicher Influencer zu sein. Für die einen sind die Sozialen Medien der Weg, wie bei mir, oder wie bei Josephine, Carola und Tabea, eine Erweiterung ihres Dienstes. Für andere ist es das Umfeld, in dem sie leben. Wir alle haben Gaben und Möglichkeiten, kleine und große. Auch wenn Du denkst, Du machst doch ganz wenig, weil Dir Gott z. B. nur die Gabe der Fürbitte gegeben hat. Dann kann ich Dir sagen: Mit zu den wichtigsten Influencern in meinem Glaubensleben waren zwei ältere Schwestern in meiner ersten Gemeinde. Diese wunderbaren Schwestern waren betagt und konnten nicht mehr viel machen. Aber sie haben mich mit ihrer Fürbitte getragen und ich weiß, dass mein Leben möglicherweise ganz anders ausgegangen wäre, wären die beiden nicht über Jahre fortdauernde Fürbitterinnenchristliche Influencer für mich gewesen.

Sei ein Influencer für Gott! Nutz Deine Gaben! Und wenn Dich Gott auf verrückte Ideen bringt, dann mach das und lass Dich nicht ausbremsen!