Wenn wir falschen Göttern folgen

Inspiriert zu diesem Text hat mich die Serie Messiah, die kürzlich auf Netflix angelaufen ist. Dies ist jedoch keine Serienkritik, trotzdem ist der eine oder andere Spoiler enthalten. Wer die Serie noch sehen möchte, sollte deshalb diesen Text vielleicht besser erst danach lesen. Um diesen Text zu verstehen, musst Du die Serie jedoch nicht unbedingt sehen. Einige Ansätze zu Messiah finden sich hier wieder, aber wie oben schon geschrieben: Dieser Text ist weder eine Kritik noch als Text über die Serie selbst zu verstehen.

Da ich ein tiefgläubiger Mensch bin, habe ich Messiah natürlich auch aus mit den Augen gesehen, die ich nun mal mit meinem biblischen Background-Wissen habe. Das abzuschalten geht nicht und war beim Schauen dieser Serie aber auch Hinderungsgrund, Messiah superspannend und richtig gut gemacht zu finden. Und ein Punkt aus der Netflix-Serie blieb bei mir besonders hängen: Die falschen Götter.

Ob die Hauptfigur der Messias ist, den viele Menschen in der Serie in ihm gesehen haben oder sehen, das weiß niemand. Im Laufe der Handlung wird immer mehr deutlich, dass er nicht der Messias sein könnte, sondern den ganzen Rummel um seine Person verursacht, um bestimmte Zwecke zu verfolgen. Vieles bleibt unklar, bis zum Ende der 1. Staffel. Und da kommt plötzlich nochmals die Frage auf: Und was ist, wenn er doch der Messias, der Messiah ist, der erwartet wird?

Doch bevor er zu der letzten Szene kommt, in der sich erneut diese Frage einbrennt, kommt es zu anderen Ereignissen. Stück für Stück wird die Hauptfigur als falscher Gott enttarnt (ob es so ist, werden wir wahrscheinlich erst nach einer 2. oder xten Staffel von Messiah wissen). Der Pfarrer, der Al-Masih, so nennt sich die Hauptfigur der Thriller-Web-Fernsehserie von Michael Petroni selbst, als Messias ansieht und sich als berufen glaubt, diesem zu dienen, sieht sich betrogen. Er brennt seine eigene Kirche ab, auf der mit roter Sprayfarbe jemand geschrieben hat: False Gods.

Genau dies brachte mich an den Punkt, an dem ich für mich selbst aus dieser Serie etwas mitnehmen konnte: Die falschen Götter, denen wir dienen, denen ich diene.

Der eine Gott – und viele falsche Götter

Die Sache mit den Götzen, die wir Menschen uns basteln, spielt auch in der Bibel immer wieder eine Rolle. Vor allem das Volk Israel zeigt sich in den biblischen Geschichten als sehr anfällig, falschen Göttern zu folgen. Götzenbilder statt Anbetung des einen Gottes. Blicken auf vermeintliche Götter, die doch nur aus Stein, Holz oder anderen Materialien sind – und die uns Menschen ablenken von Gott, aber sonst wirkungslos sind.

Heute bauen sich viele von uns vielleicht keine Götzenaltare mehr. Und doch ist jeder von uns immer wieder der Gefahr ausgesetzt, sich selbst Götzen zu machen, sich Götzen zu suchen. Es gibt so viele falsche Götter. Es kann Geld sein, das für einen Menschen wichtiger ist als Gott selbst. Es können andere Menschen sein, die wir, bewusst oder unbewusst, in eine Stellung in unserem Leben erheben, die Gott an die 2. Stelle zurücksetzt. Es kann die Arbeit sein, irgendein Hobby, für das wir mehr Zeit investieren, als uns vielleicht gut tut. Es kann so vieles sein, so ein Götze, eine Sucht, der Hang, Hass herauszuschreien und zu posten in den sozialen Medien. Es kann das Essen sein oder das nicht essen wollen. Es kann der eigene Körper sein, der gefeiert wird wie ein Götze, wie ein falscher Gott. Und so vieles andere mehr.

Alles kann zum Götzen für einen Menschen werden. Jeder von uns ist anfällig dafür, sich etwas zu suchen, dass er erheben kann. Dies mag bewusst geschehen oder unbewusst, doch der falsche Gott erweist sich schleichend als Unheilsbringer für unser Leben.

Die falschen Götter retten uns nicht. Und Al-Masih, der vermeintliche Messias aus der Serie, rettet das krebskranke Mädchen nicht, dessen Mutter auf ihre Heilung hofft. Stattdessen stirbst es. Der Junge, der sich von Gott zu Höherem berufen sieht, verliert bei einem Attentat seinen Freund. Der Pfarrer, der glaubte, Gott zu dienen, indem er Al-Masih dient, sieht seine Familie zerbrechen. Alles geht kaputt. Die Menschen, die glauben, dem Sohn Gottes zu folgen, sehen, dass die Wirklichkeit vielleicht ganz anders ist als das, was sie glaubten und hofften.

Ein falscher Gott errettet uns nicht. Er hilft uns nicht und führt uns nicht zum Leben. Stattdessen nimmt er uns immer mehr von uns selbst, von unserer Seele. Wenn wir falschen Göttern folgen, werden wir innerlich leer und zerbrechen, wenn sich erweist, dass der Götze, den wir „angebetet“ haben, doch nur einer von vielen falschen Göttern war.

Die Götzen in meinem eigenen Leben

Ich habe in meinem Leben erlebt, dass mich falsche Götter an den Rand des Abgrunds und mitunter sogar darüber hinaus getrieben haben. Eine schwere Sucht, die mir zum Götzen wurde und wegen der ich vor vielen Jahren fast starb. Menschen, denen ich in meinem Leben einen Platz eingeräumt habe, der nicht gut für mich war. Geld und endlich haben wollen, was ich als Kind nicht haben konnte durch meine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen. Und als ich immer mehr von dem hatte, was ich haben wollte, war ich leerer denn je zuvor.

Wie jeder andere Christ, so werde auch ich nie frei davon sein können, von der Versuchung, mir bewusst oder unbewusst einen neuen Götzen zu suchen, einem falschen Gott zu folgen. Doch mein Herz hängt an dem einen, dem Gott der Bibel, der mein Herz gerettet hat.

Warum ich an Gott glaube?

Für mich ist Gott der, der mein Herz geheilt hat. Der Gott, der aus meinem steinernen Herzen ein fleischernes Herz gemacht hat. Der Gott, der aus einem seelisch verkrüppelten und verstörten Mädchen, das nur Hass kannte, einen Menschen gemacht hat, der lieben kann, sich selbst und andere. Dieser Gott der Bibel, der für manche nur der Mann mit dem grauen Bart im Himmel ist, für andere sogar gar nicht existent zu sein glaubt, der hat mein Leben verändert, mich verändert. Deshalb glaube ich aus tiefstem Herzen an diesen Gott.

Ein falscher Messias wäre tot geblieben

Vor langer Zeit gab es da einen Mann, Jesus. Viele sahen in ihm den erwarteten Messias, der gekommen war, um das Volk Israel zu befreien, der Herr der Herren, der König der Könige. Dieser Jesus heilte Kranke, lehrte, hatte einen engen Kreis von Jüngern und viele Nachfolger, stritt sich mit den Pharisäern, wurde verfolgt und am Karfreitag starb er, wie ein Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet.

Das hätte das Ende der Geschichte sein können. Das hätte das Ende der Geschichte dieses Jesus sein müssen. Wäre es nicht anders gekommen. Drei Tage nach seinem Tod am Kreuz war das Grab, in das man seinen Leichnam gelegt hatte, leer. Er war auferstanden. Der Mensch, in dessen Todesmoment der Vorhang im Tempel zerriss, lebte wieder. Und da zeigte sich, dass dies wirklich Gottes Sohn gewesen war, kein falscher Messias, kein falscher Gott.

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten.“

steht im Johannes-Evangelium im 3. Kapitel in den Versen 16 und 17. (Joh. 3)

Daran glaube ich. Und ich weiß, dass dieser Messias mein Leben gerettet hat. Auch wenn ich, Mensch der ich nun mal bin, manchmal immer noch falschen Göttern folge, unbewusst, vielleicht auch manchmal bewusst, ist Jesus mein Retter, mein Erlöser. Darauf baue ich, darauf habe ich mein Leben gegründet vor Jahren und es ist der Gott, dem ich bis zu meinem letzten Atemzug dienen will.

3 Kommentare

  1. Ich hab die Serie auch gesehen und mir auch Gedanken um den „Götzen“ gemacht. Aber etwas anders… . Denn für mich war während der ganzen Serie nie klar, ist Al Masih jetzt echt oder nicht? Es hat teilweise mehrmals in der Folge gewechselt, dass ich dachte, er ist echt, oder er ist ein Betrüger oder aber: Er ist zwar echt, aber völlig anders als wir von ihm erwartet haben.
    Und das ist auch mein Punkt: Was wäre, wenn wir Gott selbst zum Götzen machen? Was wäre, wenn unsere Götzen nicht diese klassischen Geld-Macht-Einfluss-Götzen sind, vor denen immer wieder in diversen Gottesdiensten gewarnt wird, sondern wir uns derart auf unsere Sicht von Gott festgelegt haben, dass dieses Gottesverständnis zum Götzen wird? Ich hab mich gefragt, was wäre, wenn Jesus wiederkäme und teilweise Dinge machen würde, die ich von ihm einfach nicht erwarte? Würde ich ihn anders sein lassen als mein Bild von ihm oder wäre es mir nicht möglich, damit klar zu kommen? Stichwort: Ambiguitätstoleranz.

    • Christel

      5. Januar 2020 um 22:04

      Das finde ich einen klugen Gedanken von Dir, dass auch unser Gottesbild durchaus zum Götzen für uns werden kann. Ich bin ja immer wieder aufs Neue überrascht, wie sehr sich mein persönliches Bild von Gott über die Jahrzehnte verändert hat und verändet, das ist ein fortlaufender Prozess. Es ist eben nur Stückwerk, das wir erkennen können, egal wie lange wir schön gläubig sind und egal wie lange und wie viel wir die Bibel studiert haben.

      Es ist ja der Sinn dieser Serie, diese Frage immer wieder aufs Neue aufzuwerfen. 😉 Denn genau diese Frage macht Messiah ja so superspannend. Ich bin sooo gespannt auf die nächste Staffel, die hoffentlich kommen wird!

  2. Danke für diesen wunderschönen Text ❤. Ich habe mich aus der ganzen Diskussion über diese Netflix Serie herausgehalten, da ich diese bisher nicht gesehen habe. Man kann erst über etwas urteilen, wenn man es auch kennt!
    Vielleicht werde ich mir die Serie nun doch mal in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen. Mal sehen! Danke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.