Die Gabe der Weisheit, ich habe sie mit Sicherheit nicht. Deshalb sind Entscheidungen für mich vielleicht etwas, das mir besonders schwerfällt. Seit einem Jahr musste ich eine Vielzahl solcher Entscheidungen treffen, die mir mitunter sehr schwer gefallen sind, manche waren schmerzhaft, manche erfreulich und irgendwie alle haben mich ein Stückweit weitergebracht in meinem Leben. Auch in diesen Tagen musste ich wieder eine solche Entscheidung fällen, die mein Leben beeinflussen und vielleicht auch sehr verändern wird. Doch diesmal lag die Entscheidung klar, ich brauchte jedoch einige Wochen lang, bis ich sie endlich fällen konnte. Denn mein Verstand stand mir diesmal im Weg, genau der, den ich sonst mitunter gar nicht gerne einsetze, wenn ich mich entscheiden muss – und damit so manches Mal in meinem Leben so richtig auf die Schnauze geflogen bin.

Diesmal war es jedoch so, dass mein Verstand mir sagte: nein, nein, alles ist gut, geh diesen Weg weiter. Aber mein Bauch war es, der immer lauter zu schreien begann und mir immer deutlicher machen wollte: du bist da auf dem falschen Weg, das wird kein gutes Ende nehmen.

So stand ich nun, zwischen Bauchgefühl und Verstand, und irgendwie wusste ich nicht, was ich tun soll. Schließlich ging es dabei um einen wichtigen Teil meiner Zukunft, die ich mir in tollen Farben ausmalte. Aber nicht immer sind unsere Farben auch die, die Gott für uns ausgewählt hat, und je mehr mir mein Verstand sagte: du wirst diesen Weg weitergehen, desto lauter wurde mein Bauchgefühl. Und dann legte Gott mir ein Bibelwort auf mein Herz, das ich vor vielen vielen Jahren bekommen hatte und das ich jetzt erst langsam zu verstehen beginne:

„Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Denke an ihn, was immer du tust, dann wird er dir den richtigen Weg zeigen. Bilde dir nichts auf deine Weisheit ein, sondern fürchte den Herrn und meide das Böse.“
Sprüche 3,5-7 (Neues Leben. Die Bibel)

Und als mir dies bewusst wurde, war deutlich: meine Entscheidung konnte nur in eine Richtung gehen, alles andere wäre der falsche Weg. Es fiel mir schwer, diese Entscheidung zu fällen, irgendwie zerriss sie mir auch erst ein stückweit mein Herz. Aber kaum war sie gefällt und die Entscheidung kundgetan, kehrte Ruhe ein in mein Herz. Da wusste ich, auch wenn ich meinen Verstand bei Entscheidungen sicher öfter mal einsetzen sollte, in diesem Falle sollte ich eben genau nicht auf das hören, was mein Verstand mir so vollmundig an Zukunftsaussichten versprach, sondern auf die Zweifel hören, die mein Bauchgefühl – und damit mein Herz – an der ganzen Sache hatte. Für mich bedeutete dies zugleich, ein Teil meiner Zukunft aufzugeben, einen Jugendtraum zu begraben. Aber ich weiß, dass es richtig war, in diesem Fall der immer stärker werdenden Unruhe zu folgen und einen Schnitt zu machen, so schwer wie es mir viel, diesen zu machen. Aber Gott hat ihn, den Überblick, und ich nicht. Und irgendwie findet seit diesem Cut eins zum anderen in meinem Leben, die wichtigen Dinge, die ich zum Teil nicht beeinflussen kann, beginnen damit, sich zu ordnen. Es ist, als hätte ich diese Tür schließen müssen, um gleich mehrere andere zu öffnen…