Vor ein paar Monaten meinte jemand zu mir: Seit ich Christ geworden bin, ist alles schlimmer geworden in meinem Leben. Ich würde lügen, würde ich solche Zeiten nicht selbst kennen. Manchmal toben die Stürme des Lebens dann noch heftiger. Dann passieren Dinge, die man sich selbst nicht erklären kann, und die an die Substanz gehen. Doch vielleicht wirkt all dies viel heftiger als vorher, weil man sich selbst glauben macht, dass nun alles anders sein muss.

Da muss dann plötzlich alles glatt laufen, wenn man Christ geworden ist. Da soll es dann nur noch Friede Freude Eierkuchen geben, weil ja bitte der Sohn Gottes für einen am Kreuz gestorben ist. Dann soll es wie geschmiert gehen. Ganz egal, wie man selbst lebt, ganz egal, welche Vergangenheit und welche Lebenssituation man mit hineingebracht hat in dieses Leben mit Gott.

Doch Gott ist kein Selbstbedienungsladen

Da wird man nicht eben mal von allem befreit, was einen bisher so geplagt hat. Da wird man nicht mal eben reich, gesund und so weiter und so fort. Da funktionieren die Sprüche plötzlich nicht, mit denen man möglicherweise von irgendwelchen Gemeinden geködert wurde, denen es nur um Besucherzahlen und Spenden geht. Und dann merkt man plötzlich: Das Christ sein ist ja so ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Ich kenne das auch aus meinem eigenen Leben. Inzwischen bin ich bald 35 Jahre gläubig, und lerne immer noch dazu. Wir erwarten viel von Gott, sind aber manchmal so gar nicht bereit, Ihm etwas von dem zu geben, was noch verändert werden muss und kann. Veränderung aber, Veränderung ist nur dann möglich, wenn du auch selbst bereit dazu bist.

Veränderungen brauchen ihre Zeit

Über mein Leben habe ich schon viele Male geschrieben, hier im Blog und anderer Stelle. Als ich mit knapp 18 gläubig wurde, begann für mich ein neues Leben. Einige Monate später bekam ich dann auch meinen Taufvers, der passte wie sonst kein Bibelvers: Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen! 2. Kor. 5,17.

Und ich dachte: Hey, jetzt verändert sich auf einen Schlag alles, und ich bin ein total neuer Mensch. Nur: Das war ich nicht.

Gott hat in den nunmehr weit über drei Jahrzehnten viele viele Schritte gemacht mit mir. Manche waren nur klein, kaum für andere sichtbar. Andere waren ganz groß, und wurden zu Meilensteinen in meiner Lebensgeschichte. Der Tag, an dem ich meine letzte Dose Bier trank, und den Rest der Wodkaflasche ins Waschbecken leerte. Der Tag, an dem Gott mir zeigte, wie groß Seine Vaterliebe ist für mich. Und der Tag, an dem Gott mir zeigte, dass ich mich so sehr verändert habe, dass vieles von dem, was ich mal war, einfach nicht mehr da ist.

Ich bin heute ein anderer Mensch als ich es an dem Tag war, als ich erkannte, dass Gottes Sohn für mich am Kreuz gestorben ist, und mein Leben Jesus übergab. Ich bin heute ein anderer Mensch als an jenem Tag, als ich den letzten Schluck Alkohol trank und damit einen langen Weg in die Freiheit begann.

Gott hat mich von Traumata geheilt, die andere sich in ihren schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen wollen.

Mit jedem Schluck Alkohol, den ich trank, und jedem Joint, den ich mir reinzog, wollte ich vergessen, und machte es doch nur schlimmer. Manchmal kommen Erinnerungen hoch an früher. An eine Kindheit, die so grauenhaft war, dass ich sie nicht mal meinem einst ärgsten Feind gewünscht hätte. Ich habe schon lange damit aufgehört, gegen diese Erinnerungen anzukämpfen. Ich lasse sie zu, und so schnell sie gekommen sind, gehen sie auch wieder. Die Stimmungsschwankungen von einst habe ich schon lange nicht mehr. Ich war, außer wenn ich schlief, getrieben von meinen inneren Auf und Ab, dass keiner mehr nachkommen konnte, wo ich mich eigentlich gerade befand, im Auf oder im Ab, so schnell ging das manchmal.

Ja, als Christ ist das Leben nicht voller Geigen und voller Regenbögen, und es ist kein Land voller Milch und Honig. Doch Gott hat mir Momente geschenkt im Laufe der Jahrzehnte, die mein Leben maßgeblich verändert haben. Das waren Veränderungen, die nur Gott schaffen kann. Und die Er nur schaffen konnte, weil ich selbst bereit dazu war.

Gott verändert Dich, wenn Du Dich verändern lassen willst

Heute kann ich sagen, dass mein Taufspruch Wirklichkeit geworden. Gott hat mich, weil ich zur Veränderung bereit war, zu einem Menschen formen können, der Gefühle zulassen kann, und nicht mehr davor wegrennen muss. Ich habe die Angst verloren vor dem Menschen, der ich bin. Die Hölle meiner Vergangenheit habe ich hinter mir lassen können. Und ich kann voller Dankbarkeit sagen: Ich liebe mich selbst. Doch nichts von alledem habe ich alleine geschafft, habe ich alleine schaffen müssen. Gott hat mir Veränderungen geschenkt, die ich vorher niemals für möglich gehalten hätte. Denn wenn ein Mensch sich aufmacht, mit Gott zu leben, und bereit ist, sich ganz darauf einzulassen. Dann sind Veränderungen möglich, dann können selbst die tiefsten Wunden heilen. Und Du bekommst eine Freiheit geschenkt, die Dir niemand Anderes, kein Geld, keine Macht, keine Beziehung, die Dir nichts in dieser Welt geben kann. Eine Freiheit, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Und die durch nichts in dieser Welt ersetzt werden kann.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du diese Freiheit auch eines Tages spüren wirst. Sie wird Dich sprachlos machen vor Glück. Danach werden wieder die Stürme kommen, so ist das Leben nun mal. Doch mit jeder Veränderung mehr wird Dein Glaube tiefer in Jesus verwurzelt sein. Du wirst dann sehen, dass Gott Dir durchhelfen wird, wenn Du Ihn darum bittest. Und wenn Du denkst, dass Du es nicht mehr aushälst, weil alles so schlimm ist, dann wird Gott Dir von irgendwo her ein Licht senden. Einen Menschen, der Dich ermutigt. Einen Bibelvers, der Dir aufhilft. Ein Lied, dass Dein Herz berührt und Dir Ruhe bringt. Warum ich das weiß? Weil ich selbst erlebt habe.