Es gibt eine Menge von Menschen, die sagen: der erste Eindruck zählt. Danach weißt du, wer dein Gegenüber ist. Ich bin da anders. So oft habe ich in meinem Leben erlebt, dass die Menschen mich dank des ersten Eindrucks in eine so falsche Schublade gesteckt haben… Deshalb habe ich mir angewöhnt, mir Zeit zu lassen bei Menschen, sie sein zu lassen, zu erleben, wie sich geben. Ein erster Eindruck ist wie ein Foto: nur eine Momentaufnahme.

Und diese Momentaufnahme kann von so vielem abhängen. Von dem Menschen, dem man begegnet, dem es an diesem Tag, in diesem Moment, vielleicht nicht gut geht, der ganz anderes im Kopf hat, der eben in diesem Augenblick ist, wie er ist. Es kann davon abhängen, wie man selbst sich fühlt. Habe ich einen besch… Tag, kann sich ein Gegenüber ganz anders anfühlen in der ersten Begegnung, wie es sonst vielleicht der Fall wäre.

Doch was hat das eigentlich mit diesem Blog zu tun? Mir geht es dabei nicht um mich, und um die Schubladen, in die Menschen andere Menschen stecken. Mit geht es dabei um die Schubladen, in die Menschen Gott stecken, wenn sie einen ersten Eindruck von ihm bekommen.

Du bist auf der Suche nach Gott. Dann begegnest Du einem Christen. Oder zwei. Oder einer ganzen Horde in einem Hauskreis oder einer Gemeinde. Dies löst bei Dir natürlich einen ersten Eindruck aus. Und der kann, je nach Tagesform und Verhalten dieser Menschen, und je nach Deiner Tagesform auch richtig übel sein. Wenn Du das jetzt Eins zu Eins auf Gott überträgst und Dir sagst: ey, wenn diese Christen so sind, dann kann dieser Gott auch nur Sch… sein. Dann machst Du aus Deinem ersten Eindruck etwas, was Du für Dich behalten willst. Du machst aus einer Momentaufnahme mit einigen Christen daraus, dass Gott dann genauso wie diese Leute sein muss.

Ehrlich? Ich habe schon eine Menge Mist mit Christen erlebt. Die mich abgelehnt habe, weil ich einfach schon immer anders war. Die nicht mit meiner Homosexualität klar kommen, weil in ihren Köpfen da eine Menge Beton ist, wo das Herz eigentlich voller Liebe sein sollte. Die mir die Bibel als Gesetzbuch fast um die Ohren gehauen haben. Und ich bin da auch nicht besser. Ich glaube, nein, ich weiß, ich habe ziemlich oft in meinem Leben einen echt miesen Eindruck als Christin gemacht, und Menschen damit den ersten Eindruck auf Gott so richtig versaut.

Inzwischen habe ich längst aufgehört, Menschen zum Maßstab meines Glaubens zu machen. Das hat mir dabei geholfen, Gott zum Maßstab meines Lebens zu machen. Bei mir zählt schon lange nicht mehr, welchen Eindruck irgendwelche Christen auf mich machen. Es ist nun mal so, dass sich bei mir immer wieder die Geister scheiden. Für mich zählt allein der Eindruck, den Gott immer wieder auf mich macht. Und wenn ich eines weiß, dann, dass Er mich liebt, genau so, wie ich bin. Auch wenn die Gesetzbuch-Christen, Gott möge sie von Herzen segnen, das nach wie vor ganz anders sehen. Für mich ist viel wichtiger, mit meinen Glauben authentisch zu leben.

Ich weiß nicht, wie Dein erster Eindruck von Gott war. Ich hoffe jedoch von Herzen, dass Du noch viele gute, viele wunderbare Eindrücke von Ihm haben wirst. Schließlich hat Er, so schräg das auch klingen mag, Seinen eigenen Sohn ans Kreuz nageln lassen, um ein für alle Mal die Trennung zwischen den Menschen und Ihm zu überwinden.